Oskar Otter und der lange Weg der Fische

Oskar ist ein junger Otter, der immer in Bewegung ist. Wenn er etwas will, dann will er es sofort. Doch an diesem Morgen lernt er etwas Wichtiges: Manchmal muss man warten, bis die Zeit richtig ist. Eine beruhigende Geschichte über Geduld und darüber, was in uns passiert, wenn wir lernen zu warten.

Oskar Otter und der lange Weg der Fische
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Oskar war ein junger Otter mit glänzendem Fell und immerzu in Bewegung. Er liebte das Wasser, liebte es zu tauchen, zu planschen und hinter allem herzujagen, was sich bewegte. Wenn Oskar etwas wollte, dann wollte er es sofort.

An diesem Morgen schwamm Oskar mit seiner Familie den Fluss entlang. Die Sonne spiegelte sich auf der Wasseroberfläche, und kleine Fische blitzten zwischen den Steinen hervor. Oskars Bauch knurrte. Er hatte Hunger.

„Heute kommen die Fische später", sagte die Ottermutter ruhig. „Wir müssen warten."

Oskar hielt inne. Warten mochte er nicht. Warten fühlte sich an wie Stillstehen, obwohl alles in ihm springen wollte. Er tauchte ab, tauchte wieder auf, schaute den Fluss hinauf und hinunter.

„Wann denn?", fragte er ungeduldig.

„Wenn die Zeit richtig ist", antwortete die Mutter.

Oskar setzte sich auf einen warmen Stein. Seine Pfoten zappelten. Sein Kopf war voller Gedanken. Warum können sie nicht jetzt kommen? fragte er sich. Das Wasser floss ruhig weiter, als hätte es keine Eile.

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Oskar beobachtete den Fluss genauer. Er sah, wie Blätter langsam vorbeitrieben und wie das Licht tanzte. Sein Atem wurde ruhiger, ohne dass er es merkte.

Die Mutter setzte sich neben ihn. „Warten heißt nicht, dass nichts passiert", sagte sie leise. „Manchmal passiert etwas in uns."

Oskar lauschte. Er hörte das Plätschern, spürte den Stein unter sich und merkte, dass sein Hunger zwar da war, aber nicht mehr so laut.

Dann, ganz plötzlich, bewegte sich das Wasser anders. Die Fische kamen. Viele. Schnell und glitzernd.

Oskar sprang ins Wasser. Diesmal war er ruhig genug, um sie gut zu sehen.

Später, satt und müde, kuschelte er sich ans Ufer.

Oskar verstand: Geduld heißt nicht, nichts zu tun. Geduld heißt, der Zeit zu vertrauen – und bei sich zu bleiben, bis es so weit ist.

🦦 Die Oskar-Technik – Warten mit allen Sinnen

Diese Übung hilft Kindern, Wartezeiten bewusster zu erleben:

  • Einen Platz finden: Sich hinsetzen, wie Oskar auf seinem Stein
  • Den Körper spüren: Was macht der Körper, wenn er ungeduldig ist? Zappeln die Hände? Ist der Atem schnell?
  • Hinschauen: Was gibt es zu sehen? Wie bewegt sich etwas in der Umgebung?
  • Hinhören: Welche Geräusche sind da? Sind sie laut oder leise?
  • Den Atem bemerken: Wird er von selbst ruhiger?
  • Bei sich bleiben: Nicht wegrennen, sondern da sein, wo man ist
  • Vertrauen üben: Die Zeit macht weiter, auch wenn wir warten

Diese Technik vermittelt, dass Geduld keine leere Zeit ist. Sie zeigt, dass Warten eine aktive Fähigkeit ist – die Fähigkeit, bei sich zu bleiben, auch wenn noch nichts passiert.

💡 Gesprächsanregung für Eltern

Mögliche Fragen nach dem Vorlesen:

• Was liebt Oskar am Wasser?
• Was wollte Oskar sofort haben?
• Was sagte die Ottermutter?
• Wie fühlte sich Warten für Oskar an?
• Was machte Oskar auf dem Stein?
• Was beobachtete Oskar im Fluss?
• Was passierte mit Oskars Atem?
• Was sagte die Mutter über Warten?
• Wann kamen die Fische?
• Was hat Oskar gelernt?
• Wann musstest du schon mal warten?
• Was kannst du tun, wenn Warten schwerfällt?
• Wie fühlt es sich an, wenn das Warten ein Ende hat?

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