Ben und der Samen unter der Erde

Ben liebt es, Dinge wachsen zu sehen, aber er mag es nicht, wenn etwas lange dauert. Als seine Oma ihm einen Sonnenblumen-Samen schenkt, muss er lernen zu warten – auf etwas, das unter der Erde arbeitet, ohne dass man es sehen kann. Eine tiefgründige Geschichte über Geduld und das Vertrauen in unsichtbare Prozesse.

Ben und der Samen unter der Erde
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Ben liebte es, Dinge wachsen zu sehen. Er beobachtete gern, wie sein Körper größer wurde, wie er schneller laufen konnte als früher und wie er immer neue Dinge lernte. Doch Ben mochte es nicht, wenn etwas lange dauerte. Besonders schwer fiel ihm das Warten, wenn er sich etwas sehr wünschte.

Eines Tages schenkte ihm seine Oma einen kleinen Blumentopf und einen Samen. „Das wird eine Sonnenblume", sagte sie. „Aber sie braucht Zeit."

Ben runzelte die Stirn. Zeit war für ihn etwas Unsichtbares und Unzuverlässiges. Trotzdem füllte er den Topf mit Erde, legte den Samen hinein und goss vorsichtig Wasser darüber.

„Wann kommt die Blume?", fragte Ben sofort.

„Nicht heute", antwortete die Oma ruhig. „Und auch nicht morgen."

Ben stellte den Topf ans Fenster und schaute immer wieder hinein. Doch da war nur Erde. Dunkel und still. Ben seufzte. In seinem Bauch wuchs ein unruhiges Gefühl. Vielleicht passiert gar nichts, dachte er. Vielleicht ist Warten umsonst.

Am nächsten Tag schaute Ben wieder. Und am übernächsten. Jeden Morgen beugte er sich über den Topf. Immer wieder dasselbe Bild. Seine Ungeduld wurde größer.

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„Ich glaube, der Samen schläft", sagte die Oma eines Tages.

Ben hob den Kopf. „Warum so lange?"

Die Oma lächelte. „Weil er unter der Erde arbeitet. Er macht sich bereit."

Ben dachte darüber nach. Etwas zu tun, ohne dass man es sehen konnte, war neu für ihn. Er stellte sich vor, wie der Samen Wurzeln bildete, langsam und leise.

Von da an goss Ben den Topf regelmäßig. Er sprach sogar manchmal mit der Erde. Nicht jeden Tag schaute er nach. Manchmal vergaß er den Topf ganz.

Eines Morgens sah Ben etwas Grünes. Ganz klein. Fast zu übersehen. Sein Herz machte einen Sprung.

Die Blume war nicht plötzlich da. Sie wuchs langsam. Jeden Tag ein bisschen. Und Ben wuchs mit.

Ben verstand: Geduld heißt nicht, nichts zu erwarten. Geduld heißt, dem Unsichtbaren Zeit zu geben. Manche Dinge brauchen Ruhe, bevor sie sichtbar werden.

🌱 Die Ben-Technik – Dem Unsichtbaren vertrauen

Diese Übung hilft Kindern, Geduld für langfristige Prozesse zu entwickeln:

  • Ein Wachstumsprojekt starten: Samen pflanzen, etwas bauen, eine Fähigkeit üben
  • Das Unsichtbare würdigen: Was passiert unter der Erde? Was passiert in mir beim Üben?
  • Regelmäßig pflegen: Kleine, tägliche Handlungen statt ständiger Kontrolle
  • Nicht jeden Tag nachschauen: Dem Prozess Raum geben
  • Mit dem Projekt sprechen: Eine Beziehung aufbauen zu dem, was wächst
  • Kleine Veränderungen feiern: Das erste Grün, der erste Fortschritt
  • Selbst mitwachsen: Geduld ist auch ein Lernprozess
  • Vertrauen üben: Manche Dinge brauchen ihre Zeit, auch wenn wir sie nicht sehen

Diese Technik vermittelt, dass Geduld besonders dann wichtig ist, wenn Prozesse unsichtbar ablaufen. Sie zeigt, dass Warten nicht passiv ist, sondern ein aktives Vertrauen in natürliche Entwicklungen bedeutet.

💡 Gesprächsanregung für Eltern

Mögliche Fragen nach dem Vorlesen:

• Was liebt Ben zu beobachten?
• Was schenkte die Oma Ben?
• Was sollte aus dem Samen werden?
• Was sagte die Oma über Zeit?
• Was sah Ben im Blumentopf?
• Was dachte Ben über das Warten?
• Was sagte die Oma über den Samen?
• Was stellte sich Ben vor?
• Was machte Ben von da an anders?
• Was sah Ben eines Morgens?
• Was hat Ben über Geduld gelernt?
• Hast du schon mal etwas gepflanzt und gewartet?
• Was wächst bei dir, auch wenn man es nicht sieht?

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