Ben liebte es, Dinge wachsen zu sehen. Er beobachtete gern, wie sein Körper größer wurde, wie er schneller laufen konnte als früher und wie er immer neue Dinge lernte. Doch Ben mochte es nicht, wenn etwas lange dauerte. Besonders schwer fiel ihm das Warten, wenn er sich etwas sehr wünschte.
Eines Tages schenkte ihm seine Oma einen kleinen Blumentopf und einen Samen. „Das wird eine Sonnenblume", sagte sie. „Aber sie braucht Zeit."
Ben runzelte die Stirn. Zeit war für ihn etwas Unsichtbares und Unzuverlässiges. Trotzdem füllte er den Topf mit Erde, legte den Samen hinein und goss vorsichtig Wasser darüber.
„Wann kommt die Blume?", fragte Ben sofort.
„Nicht heute", antwortete die Oma ruhig. „Und auch nicht morgen."
Ben stellte den Topf ans Fenster und schaute immer wieder hinein. Doch da war nur Erde. Dunkel und still. Ben seufzte. In seinem Bauch wuchs ein unruhiges Gefühl. Vielleicht passiert gar nichts, dachte er. Vielleicht ist Warten umsonst.
Am nächsten Tag schaute Ben wieder. Und am übernächsten. Jeden Morgen beugte er sich über den Topf. Immer wieder dasselbe Bild. Seine Ungeduld wurde größer.