Der Blitz aus dem Donner-Kompass zuckte wie ein goldener Faden durch die Stillebucht und traf Johannas Hände, noch bevor sie wusste, was geschah. Es brannte nicht – stattdessen fühlte es sich warm und kribbelig an, als würden ganz viele kleine Sterne auf ihrer Haut tanzen. Und plötzlich… hörte sie wieder die Geräusche. Obwohl doch alles in der Stillebucht eigentlich lautlos sein sollte.
"Johanna? Bist du… okay?" Ronjas Stimme klang seltsam gedämpft, wie durch Watte.
"Ich glaube… ich höre wieder! Aber nur ganz leise", flüsterte Johanna erstaunt.
Die Krachpiraten sahen sie mit offenen Mündern an – die Lautlosigkeit ließ sogar ihre überraschten Gesichter komisch stumm wirken. Nur der riesige Seegeist, der über ihnen schwebte, blieb drohend und schweigsam.
Langsam glitt er näher. Er war groß… sehr groß. Sein ganzer Körper tropfte schimmernde Wasserfäden, die im Licht des Kompasses bläulich glühten. Seine Augen waren nicht wütend, wie Johanna befürchtet hatte – sondern… traurig? Müde? Irgendetwas stimmte hier nicht.
"Ich glaube, er will uns etwas sagen", murmelte Johanna.
Der Geist streckte einen Arm aus, der wie fließender Nebel wirkte, und deutete auf den Donner-Kompass. Wieder ein Hinweis – aber keiner der Piraten verstand es.
Dann, plötzlich, geschah es: Der Kompass drehte sich schnell, schneller, und ein kleiner Blitz sprang auf Ronja über. Die Einhornpuppe zuckte zusammen – und begann zu sprechen. Und diesmal klang ihre Stimme klar. Zu klar.
"Ich… ich verstehe ihn", hauchte Ronja überrascht. "Der Seegeist ist der Hüter der Stillebucht! Und er sagt… der Donner-Kompass wurde gestohlen."
"Gestohlen?! Von wem denn?" rief Hasi – wobei man eigentlich nur ein lautloses Hasen-Schnappen sah.
Ronja übersetzte: "Von einem Wesen, das hier nicht hergehört. Jemand, der immer lauter wird. Immer stärker. Und der die Kontrolle über die Wunderwelt verlieren könnte…"
Johanna spürte, wie sich ihre Nackenhaare aufstellten.
Wer konnte das sein?
Da erzitterte der ganze See – als würde etwas Gewaltiges aus der Tiefe aufsteigen.