Das Portal pulsierte wie ein riesiges, schimmerndes Seifenblasenherz. Johanna konnte ihr eigenes Spiegelbild darin erkennen – aber nicht nur ihres. Hinter ihr standen Ronja, Hasi, die Krachpiraten und Polti. Und irgendwo tief im Glitzern bewegte sich die dunkle Silhouette, die den Donner-Kompass gestohlen hatte.
"Bereit?", fragte Ronja leise.
"So bereit wie ein vierjähriges Mädchen sein kann", murmelte Johanna und nahm Polti an der Hand. Oder eher an der Wellenhand.
Sie machten einen Schritt. Das Portal fühlte sich warm an, wie Sommerluft. Ein Kribbeln lief über Johannas Arme, als sie hindurchtraten.
Die Welt drehte sich kurz, und dann standen sie an einem Ort, der aussah, als wäre er unter Johannas Kleiderschrank gewachsen. Hohe, dunkle Regale ragten wie Bäume empor. In ihnen steckten Kisten, Schachteln, vergessene Handschuhe, sogar eine Socke, die vor Monaten verschwunden war.
"Willkommen im Reich der Verlorenen Dinge", sagte Ronja ehrfürchtig.
"Hier landen Sachen, die verschwinden?", fragte Hasi mit großen Augen.
"Genau!", meinte Ronja. "Aber… hier gibt es auch Dinge, die gar nicht verschwunden sind. Dinge, die sich einfach verstecken wollen."
Es war dämmrig. Aus manchen Regalen tropfte Staub wie Schneeflocken. Und dann hörten sie es: Ein tiefes, rhythmisches Poltern. Als würde ein Riese stampfen – langsam und mächtig.
"Der Dieb!", flüsterte der Trompetenpirat.
Polti zeigte mit zitterndem Arm nach vorn. Ein Pfad aus glitzernden, verlorenen Münzen führte tiefer in den Wald aus Regalen. Der Boden vibrierte mit jedem Poltern.
"Wir müssen vorsichtig sein", warnte Ronja. "Der Hüter sagte, das Wesen wird immer lauter."
Johanna nickte und trat voran. Der Staub tanzte um sie herum, und aus der Ferne hörte sie das leise Klingeln des Donner-Kompasses.
Doch plötzlich schob sich ein Schatten in den Weg – nicht groß, aber schnell. Zwei leuchtende Knopfaugen starrten sie an.
"Wer… oder was ist das?", keuchte Hasi.
Das Wesen sprang näher. Und Johanna erkannte:
Es war eine alte, lebendige Spieluhr… mit Zähnen.