Der Funke aus dem Donner-Kompass traf Lena mitten auf die Brust – warm, hell und vibrierend wie ein kleiner Stern. Für einen Moment verschwand alles um sie herum: der Sammelriese, die Regale, die Piraten, selbst Ronja und Hasi. Lena stand plötzlich in völliger Stille.
Dann hörte sie es. Erst ganz leise, dann deutlicher.
Kinderlachen. Ihr eigenes.
Und eine Stimme: "Wo bist du denn wieder hin? Komm raus, kleiner Freund!"
Vor ihr erschien ein Bild aus früheren Tagen: Lena als ganz kleines Baby, auf einer Decke sitzend. Vor ihr lag ein winziges Stofftier – ein grauer Mini-Hund mit einem abgewetzten Ohr. Lena griff danach. Liebte ihn. Schlief mit ihm. Aber… irgendwann war er verschwunden.
"Das ist Bello…", flüsterte sie. Ihr erstes Spielzeug.
Ihr Herz zog sich zusammen. "Ich habe ihn nie wieder gefunden…"
Und plötzlich begriff sie: Der Sammelriese bestand aus all den Dingen, die irgendjemand vermisst hatte. Dingen, die nie absichtlich vergessen wurden. Dingen, die jemand liebte.
Die Vision verblasste.
Die Wirklichkeit kehrte zurück – und der Sammelriese stand wieder vor ihr. Groß. Laut. Aber seine Augen sahen so verloren aus wie Bellos Augen damals.
Lena trat vor. "Ich weiß, warum du den Kompass genommen hast", sagte sie leise. "Du willst nicht, dass noch mehr Dinge verloren gehen. Du willst, dass jemand dich sieht. Und… dich lieb hat."
Der Riese hielt inne. Der Kompass in seiner Brust flackerte schwächer.
"Ich sehe dich", sagte Lena. "Und du musst uns nicht wehtun. Lass uns dir helfen."
Für einen Moment glaubte sie, es hätte funktioniert.
Die Regale hörten auf zu beben. Der Riese senkte seine Hand. Der Kompass funkelte sanfter.
Doch dann – ein tiefer Riss sprang über den Boden. Der Donner-Kompass zuckte wild. Ein Stück des Riesenkörpers fiel klappernd ab. Er brüllte auf vor Schmerz.
Ronja schrie: "Lena! Der Riese verliert die Kontrolle! Wenn der Kompass zerbricht, stürzt die ganze Wunderwelt ein!"
Der Riese schwankte – und fiel direkt auf Lena zu.