Finn hatte heute Morgen nicht gewartet.
Jeden Morgen wartete Finn an der Ecke vor der Schule — das war so seit der ersten Klasse. Zwei Jahre lang, kein einziges Mal ausgelassen. Der Lernolotl kannte diesen Rhythmus wie seinen eigenen Herzschlag.
Aber heute war Finn nicht da. Und als der Lernolotl ins Klassenzimmer kam, saß Finn schon drin — neben Leon, nicht neben ihm. Finn schaute kurz auf. Kein Lächeln. Kein Winken. Dann schaute er wieder weg.
Das war falsch. Das war so falsch, dass der Lernolotl kurz stehen blieb und überlegte, ob er vielleicht in das falsche Klassenzimmer geraten war.
Er war nicht im falschen Klassenzimmer. Er saß auf seinem Platz. Er öffnete sein Mäppchen. Er legte seinen Bleistift genau parallel zum Heftrand — das half manchmal, wenn etwas nicht stimmte.
Es half heute nicht.
In der Pause stellte der Lernolotl sich zu Finn. Finn spielte Ball mit Leon und Tobias. Als der Lernolotl dazukam, warf Leon den Ball. Finn fing ihn. Finn warf zurück. Kein Blick. Kein „Hey". Nichts.
Der Lernolotl stand daneben und verstand nicht.