Am Rande eines alten Waldes lag ein kleiner Teich, den die Dorfkinder den Mondlichtteich nannten. Nachts spiegelte sich der Mond so klar in seinem Wasser, dass man glaubte, man könnte einfach hineinspringen und zwischen den Sternen schwimmen. Niemand wusste, was unter der Oberfläche lebte – bis auf Lena.
Lena war acht Jahre alt, neugierig wie eine Katze und mutig wie ein junger Fuchs. Eines Abends schlich sie allein zum Teich, setzte sich ans Ufer und ließ ihre Zehen ins Wasser baumeln. Da – ein Glitzern! Etwas Silbernes schoss durch das dunkle Wasser, hielt inne und schaute sie mit runden, goldenen Augen an.
„Hallo, Fremde", sagte eine kleine Stimme, die klang wie Wasser über Kieselsteine. „Ich bin Finn. Und wer bist du, dass du einfach so Wellen in mein Zuhause schlägst?" Lena blinzelte überrascht. Ein Fisch – der sprach! Sie schluckte kurz, dann lächelte sie. „Ich bin Lena. Tut mir leid wegen der Wellen."
Finn war ein Silberfisch, so groß wie Lenas flache Hand, mit Schuppen, die aussahen wie kleine Mondscherben. Doch sein Schwanz hing schlaff herab, und rund um ihn herum war das Wasser trüb und grau. „Was ist mit deinem Teich passiert?", fragte Lena besorgt. „Er war früher klar wie Glas."
Finn seufzte, und dabei stiegen kleine Silberblasen auf. „Die drei Mondsteine, die das Wasser sauber halten, wurden fortgeschwemmt – beim großen Sturm vor einer Woche. Ohne sie wird der Teich immer trüber. Ich habe Angst, dass bald gar nichts mehr wächst hier." Lena schaute ins trübe Wasser. Dann nickte sie entschlossen. „Dann suchen wir die Steine. Zusammen."
Finn zuckte zusammen. „Du würdest mir wirklich helfen? Obwohl du mich gerade erst kennst?" Lena zuckte die Schultern. „Gute Taten brauchen keine lange Bekanntschaft." Und damit war die Freundschaft besiegelt – noch bevor der Mond den Teich ganz überquert hatte.