Mila und der rote Fleck

Mila malt gern – Farben helfen ihr, ihre Gedanken zu ordnen. Doch als alle Bilder an die Wand gehängt werden, entdeckt sie einen großen roten Fleck mitten in ihrem Kunstwerk. Ihr Bauch zieht sich zusammen, ihre Schultern werden schwer. Eine einfühlsame Geschichte über Scham, Perfektionismus und die Erkenntnis, dass Fehler zum Lernen gehören.

Mila und der rote Fleck
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Mila war ein aufgewecktes Mädchen, das gern malte. Farben halfen ihr, ihre Gedanken zu ordnen. Wenn sie einen Pinsel in der Hand hielt, fühlte sie sich sicher. An diesem Vormittag sollten alle Kinder im Kindergarten ihre Bilder an die Wand hängen. Jedes Bild sollte von allen angesehen werden.

Als Mila ihr Bild betrachtete, bemerkte sie etwas, das sie vorher nicht gesehen hatte: In der Mitte war ein großer roter Fleck. Er passte nicht zu den Blumen, die sie gemalt hatte. Milas Bauch zog sich zusammen. Ihre Schultern wurden schwer.

„Alle werden den Fleck sehen", dachte sie. „Sie werden denken, ich kann nicht richtig malen."

Als die Erzieherin die Bilder aufhängte, fühlte Mila ihr Herz schneller schlagen. Sie stellte sich vor, wie die anderen Kinder auf den Fleck zeigen würden. Ihr Gesicht wurde warm, und sie wünschte sich, unsichtbar zu sein. Das war Scham. Still, aber sehr stark.

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Mila trat einen Schritt zurück und wollte ihr Bild fast abnehmen. Doch da setzte sich die Erzieherin neben sie. „Dein Körper sagt mir gerade, dass dir etwas peinlich ist", sagte sie leise.

Mila nickte. Tränen standen ihr in den Augen.

„Scham will uns verstecken", erklärte die Erzieherin. „Aber manchmal hilft es, stehen zu bleiben."

Gemeinsam betrachteten sie das Bild noch einmal. „Was siehst du?", fragte sie.

„Den Fleck", flüsterte Mila.

„Und was noch?"

Mila schaute genauer. „Viele Farben."

„Der Fleck gehört dazu", sagte die Erzieherin. „So wie Fehler zum Lernen gehören."

Als die anderen Kinder die Bilder anschauten, sagte niemand etwas Gemeines. Ein Kind meinte sogar: „Der rote Fleck sieht aus wie eine Sonne."

Mila spürte Erleichterung. Die Scham war nicht weg, aber sie war leiser geworden. Mila wusste nun: Man muss sich nicht verstecken, nur weil etwas nicht perfekt ist.

🎨 Die Mila-Technik – Mit Scham umgehen

Diese Übung hilft Kindern, mit Scham und dem Drang zum Verstecken umzugehen:

  • Die Körpersignale erkennen: „Mein Gesicht wird warm, mein Bauch fühlt sich komisch an" – Scham wahrnehmen
  • Stehen bleiben statt weglaufen: Der Impuls zu verschwinden ist normal, aber man darf bleiben
  • Das Ganze betrachten: Nicht nur den „Fehler" sehen, sondern auch die guten Teile
  • Mit jemandem darüber sprechen: Scham verliert ihre Macht, wenn man sie teilt
  • Verstehen, dass Fehler dazugehören: Niemand ist perfekt – und das ist völlig in Ordnung

Diese Technik vermittelt, dass Scham ein Signal ist, aber keine Wahrheit. Sie zeigt Kindern, dass Unperfektes wertvoll sein kann und dass Mut nicht bedeutet, keine Scham zu spüren, sondern trotz Scham sichtbar zu bleiben.

💡 Gesprächsanregung für Eltern

Mögliche Fragen nach dem Vorlesen:

• Was macht Mila gern?
• Was sollten die Kinder mit ihren Bildern machen?
• Was hat Mila auf ihrem Bild entdeckt?
• Wie hat sich Mila gefühlt, als sie den Fleck sah?
• Was hat die Erzieherin zu Mila gesagt?
• Was haben die anderen Kinder über den Fleck gesagt?
• Hast du dich schon mal geschämt, weil etwas nicht perfekt war?
• Müssen alle unsere Sachen perfekt sein?
• Was gehört alles zum Lernen dazu?

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