Jonas und das falsche Lied

Jonas liebt Musik und singt gern – aber nur, wenn er allein ist. Sobald andere zuhören, wird seine Stimme leise und unsichtbar. Als im Kindergarten ein Lied geprobt wird und Jonas einen falschen Ton singt, möchte er am liebsten im Boden verschwinden. Eine warmherzige Geschichte über Scham beim Ausprobieren und den Mut, Schritt für Schritt sichtbar zu werden.

Jonas und das falsche Lied
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Jonas liebte Musik. Wenn er allein in seinem Zimmer war, sang er laut und frei. Seine Stimme füllte den Raum, und er fühlte sich mutig und stark. Doch sobald andere Menschen in der Nähe waren, wurde alles anders. Dann wurde seine Stimme leise, fast unsichtbar.

Im Kindergarten probten die Kinder für ein kleines Sommerfest. Sie sollten gemeinsam ein Lied singen. Jonas kannte das Lied gut. Er sang es jeden Abend für sich selbst. Trotzdem spürte er schon beim ersten Üben ein Knoten in seinem Bauch.

Als die Gruppe anfing zu singen, hörte Jonas seine eigene Stimme plötzlich ganz genau. Sie klang anders als die der anderen Kinder. Ein Ton rutschte weg. Jonas erschrak. Sein Gesicht wurde heiß, und er hörte fast nichts mehr außer seinem eigenen Herzklopfen.

„Ich singe falsch", dachte er panisch. „Alle hören das."

Jonas hörte auf zu singen und bewegte nur noch die Lippen. Er wollte am liebsten im Boden verschwinden. Dieses Gefühl war Scham. Sie machte ihn klein und still.

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Die Erzieherin bemerkte Jonas' Schweigen. Nach dem Singen setzte sie sich zu ihm. „Du bist ganz ruhig geworden", sagte sie sanft. „Was ist passiert?"

Jonas zuckte mit den Schultern. Dann flüsterte er: „Ich habe falsch gesungen."

Die Erzieherin lächelte freundlich. „Falsch singen gibt es beim Üben nicht", sagte sie. „Üben heißt, ausprobieren."

Sie schlug vor, dass Jonas beim nächsten Mal einfach summen dürfe. Jonas nickte. Das fühlte sich sicherer an.

Beim nächsten Durchgang summte Jonas leise mit. Niemand schaute ihn komisch an. Sein Herz wurde ruhiger.

Nach ein paar Tagen sang Jonas wieder einzelne Wörter mit. Nicht laut, nicht perfekt – aber mutig.

Jonas lernte: Scham bedeutet nicht, dass er etwas falsch ist. Sie zeigt nur, dass ihm etwas wichtig ist. Und Schritt für Schritt darf er sichtbar werden.

🎵 Die Jonas-Technik – Schritt für Schritt sichtbar werden

Diese Übung hilft Kindern, trotz Scham aktiv zu werden:

  • Das Gefühl anerkennen: „Ich fühle mich unsicher" – und das ist okay
  • Einen sicheren Einstieg finden: Summen statt singen, beobachten statt mitmachen – kleine Schritte sind erlaubt
  • Üben bedeutet Ausprobieren: Es gibt kein „falsches" Üben – jeder Versuch zählt
  • In kleinen Schritten wachsen: Heute summen, morgen ein Wort singen – jeder geht sein eigenes Tempo
  • Erkennen, dass Scham nicht die Wahrheit ist: Scham sagt „Du bist falsch", aber die Wahrheit ist „Dir ist etwas wichtig"

Diese Technik vermittelt, dass man nicht sofort perfekt sein muss. Sie zeigt, dass es mutig ist, in kleinen Schritten sichtbar zu werden, und dass Ausprobieren wichtiger ist als Perfektion.

💡 Gesprächsanregung für Eltern

Mögliche Fragen nach dem Vorlesen:

• Was macht Jonas gern, wenn er allein ist?
• Was üben die Kinder im Kindergarten?
• Was ist Jonas beim Singen passiert?
• Wie hat sich Jonas danach gefühlt?
• Was hat die Erzieherin zu Jonas gesagt?
• Was durfte Jonas statt Singen machen?
• Hast du dich schon mal unsicher gefühlt, etwas vor anderen zu tun?
• Ist es schlimm, beim Üben Fehler zu machen?
• Was bedeutet es, mutig zu sein?

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