Willi fuhr tiefer in den leuchtenden Raum hinein, der wie ein Himmel unter Wasser wirkte. Die goldenen Punkte schwebten ruhig um ihn herum, manche zogen sanfte Bahnen, andere flackerten, als würden sie miteinander sprechen. Die Muschel und der Lichtschlüssel schwebten im Inneren des U-Boots und warfen ein warmes Muster an die Wände, das beruhigend wirkte. Doch Willi spürte, dass sich etwas verändert hatte.
Die Stimme hatte gesagt, der nächste Wächter würde ihn suchen.
Und Wächter waren … groß.
Er schluckte.
Ein leiser Ruck ging durch das U-Boot. Nur ein winziger, fast unmerklicher Stoß – aber Willi spürte ihn. „Was war das?", flüsterte er und drückte seine Fühler an die Scheibe. Vor ihm bewegte sich die Lichtlandschaft langsam auseinander. Die goldenen Punkte schwebten beiseite wie Nebel, der eine Tür frei gibt.
Ein dunkler Spalt wurde sichtbar.
Kein Licht trat daraus hervor. Keine Muster. Keine Farben. Der Spalt war wie ein langer, schmaler Riss in der sonst so hellen Landschaft.
Die Muschel vibrierte ungewöhnlich tief.
Bumm…
Der Schlüssel flackerte nervös.
Willi zögerte – doch dann öffnete sich der Riss von selbst. Ganz leise, fließend, als würde er atmen. Und aus der Dunkelheit strömte etwas hervor. Kein Geräusch. Kein Ton.
Eine Strömung.
Sie war unheimlich und wunderschön zugleich: ein silbergrauer Fluss, der sich wie eine Hand aus Nebel durch den Raum wand. Sie umkreiste das U-Boot, berührte es aber nicht. Willi spürte nur einen Hauch – kalt, kribbelnd.
„Du bist Willi…", sagte eine Stimme.
Nicht laut.
Sondern direkt in seinem Kopf.
Willi fuhr erschrocken zurück, obwohl er wusste, dass das in einem U-Boot nichts brachte. Die Strömung ballte sich zusammen und formte langsam die Umrisse eines riesigen Wesens: fließend, schimmernd, wie ein Wal aus Schatten und Licht.
„Ich… bin der Wächter der Schattenströmung."
Die Stimme vibrierte sanft, aber gewaltig.
Willi atmete flach.
Das war kein Traum.
Der Wächter hatte ihn gefunden.