Alex war erst drei Jahre alt, aber seine Augen sahen mehr als das, was große Leute sahen. Für ihn war die Welt kein Ort, den man schon verstand, sondern einer, der flüsterte, vibrierte, schimmerte – ein kleines Geheimnis hinter jedem Blatt, unter jedem Stein, in jedem Windstoß.
An diesem Morgen wachte Alex mit einem Gefühl auf, das wie ein kleines Kitzeln hinter seinem Bauch saß. Es war ein Abenteuergefühl. Das hatte er manchmal, wenn etwas Besonderes passieren wollte. Er wusste nicht, was, aber er wusste, dass es da draußen wartete. Vielleicht hinter der Tür. Vielleicht hinter einem Busch. Vielleicht sogar hinter seinem eigenen Schatten.
Barfuß tappte er ins Wohnzimmer, öffnete die Terrassentür – und die Welt roch nach warmer Erde und einem Versprechen. Der Garten lag vor ihm wie ein riesiges, grünes Zimmer ohne Wände. Der Wind fuhr durch die Blätter wie durch ein aufgeschlagenes Buch.
Alex machte ein paar Schritte ins Gras. Es fühlte sich weich an wie warme Watte, und ein Käfer krabbelte ihm neugierig über die Zehen. „Hallo", sagte Alex leise. Der Käfer blieb stehen, als hätte er tatsächlich zugehört.
Doch dann hörte Alex etwas anderes. Etwas… Seltsames. Ein leises, tiefes Schnauben, so als würde irgendwer oder irgendwas tief einatmen. Dann wieder ausatmen. Einatmen. Ausatmen.
„Mama?", rief er. Keine Antwort.
Alex drehte sich einmal um sich selbst. Der Garten wirkte wie immer. Und doch… nicht. Denn das Geräusch kam wieder. Ein langes, warmes Huuuuuh, gefolgt von einem Pfffffff.
Alex ging langsam zum großen Busch am Ende des Gartens. Er war so hoch wie Papa, und seine Äste rauschten so, als würden sie miteinander tuscheln.
Das Schnaufen kam jetzt direkt dahinter hervor.
Alex hob die Hand und schob mit vorsichtigem Finger ein paar Zweige zur Seite.
Und dann sah er etwas. Etwas Großes. Etwas, das sich bewegte.
Bevor Alex genauer hinsehen konnte, raschelte es laut. Etwas im Busch rührte sich – und Alex hielt den Atem an.
Was immer da war, es war wach geworden.