Als Alex mit dem Elch am Waldrand stand, bebte der Boden unter seinen Füßen so stark, dass selbst die Grashalme zitterten wie kleine, grüne Finger. Doch bevor Alex erkennen konnte, was sich da im Wald regte, hörte er plötzlich eine Stimme aus der Ferne:
„Alex! Frühstück!"
Die Welt hielt kurz den Atem an. Der Elch richtete seine riesigen, braunen Augen auf Alex – und dann geschah das Unfassbare. Das große Tier trat zwei Schritte zurück, knickte leicht mit den Beinen ein… und löste sich wie Nebel in der warmen Morgenluft auf.
Ein sanfter Wind blieb zurück. Und das Gefühl, dass die Welt gerade ein großes Geheimnis wieder verschluckt hatte.
„Alex! Wo bist du denn?"
Mama.
Der Garten war plötzlich wieder nur ein Garten. Keine zitternden Grashalme. Kein grollender Wald. Kein Elch. Alex stand einfach da, barfuß, das Herz klopfend.
„Hier!", rief er schließlich und lief ins Haus.
Beim Frühstück – Honigbrot, Obststückchen, ein Becher Milch – beobachtete Mama ihn aufmerksam. „Du wirkst, als hättest du schon ein Abenteuer hinter dir."
Alex sagte nichts. Wo sollte er anfangen? Beim Elch? Beim Schatten? Oder bei dem etwas im Wald, das zu groß gewesen war, um es sich überhaupt vorzustellen?
Als er später wieder ins Wohnzimmer tappte, fühlte sich alles normal an. So normal, dass es fast unheimlich war. Der Flokati-Teppich lag wie immer auf dem Holzboden – weich, weiß, viel zu groß für den Raum. Alex mochte ihn, weil man darin versinken konnte wie in Schnee, ohne kalt zu werden.
Er trat darauf und wackelte mit den Zehen.
Doch diesmal… vibrierte der Teppich. Ganz leicht. Wie ein pochender Herzschlag.
Alex blieb stehen. Beugte sich runter. Legte seine Handfläche auf die weiche Wolle.
Da! Es klopfte. Ein leises tock… tock… tock.
Sein Bauch kribbelte wieder.
Er hob eine Ecke des Teppichs – nur ein kleines Stück.
Unter der Kante war es dunkel. Und tief. Viel tiefer als der Boden sein dürfte.
Und etwas dort unten bewegte sich.