Das Licht aus dem goldenen Riss wurde heller und heller, bis Tom, Mia und Jan instinktiv die Augen schließen mussten. Als es langsam schwächer wurde, öffnete Tom vorsichtig wieder die Augen. Der Riss im Schuppen war nun ein vollständiges Tor – groß genug, dass ein Erwachsener hindurchpassen könnte, aber gleichzeitig so schimmernd und wundersam, dass es wie ein Traum wirkte.
„Was… ist das?", flüsterte Mia.
Tom schüttelte den Kopf. „Vielleicht ein Zaubertor? Vielleicht… ein anderer Ort?"
Jan beugte sich näher. „Da ist etwas drin. Ich sehe Bäume. Und Licht. Und irgendwie… glitzert es."
Die kleine Lichtkugel, die Tom noch immer in der Hand hielt, löste sich plötzlich von selbst, schwebte zur Toröffnung und blieb dort wie ein funkelnder Wegweiser stehen. „Sie will wirklich, dass wir mitkommen", sagte Tom. Man hörte das Zittern in seiner Stimme – nicht vor Angst, sondern vor gewaltiger Aufregung.
Gemeinsam atmeten sie tief ein und traten näher. Ein warmer Wind strömte ihnen entgegen. Und dahinter hörten sie etwas Seltsames – eine Melodie. Wie ein leises Lied, das sie herbeirief.
„Wir gehen zusammen rein", sagte Tom schließlich und streckte erst Mia, dann Jan die Hand hin. Beide nickten.
Doch genau in dem Moment, als sie den ersten Schritt machen wollten, krachte von draußen ein lauter Ruf durch den Garten.
„Kinder? Wo seid ihr?"
Es war Frau Hummel.
Sie kam schnellen Schrittes um die Ecke, sah den offenen Schuppen, sah die goldenen Lichter – und erstarrte. Ihre Augen weiteten sich. „Nein… das gibt es doch nicht. Nicht wieder."
„Wieder?!", rief Tom überrascht. „Sie kennen das Tor?"
Doch bevor Frau Hummel antworten konnte, wurde der Boden unter ihren Füßen leicht durchlässig und das Tor begann unruhig zu flackern – als könnte es gleich wieder verschwinden.
„Wir müssen uns beeilen!", rief Jan.
Und dann, ganz plötzlich, erschien im Tor eine Gestalt.