Im Kindergarten war heute etwas anders. Schon beim Ankommen spürte Tom, dass eine leise Spannung in der Luft lag – so, als würde etwas Großes passieren. Die Sonne stand hoch, der Garten duftete nach Sommer, und die große Eiche im Hof warf lange Schatten auf den Boden. Es war dieselbe Eiche, unter der Tom und seine Freunde oft Picknick spielten. Doch heute… sah sie irgendwie größer aus. Geheimnisvoller.
„Habt ihr das gesehen?", flüsterte Mia und zeigte auf den Stamm. Jan kniff die Augen zusammen. „Da war doch was! Ein Licht… oder?" Tom schüttelte den Kopf, aber sein Herz klopfte schneller. Seit Wochen machten sie sich Geschichten über die Eiche: dass sie Wünsche hören konnte, dass sie manchmal flüsterte, wenn man ganz nah an ihre Rinde ging.
„Frau Hummel sagt, wir dürfen heute ein Naturtagebuch anfangen", erklärte Mia. „Wir sollen etwas im Garten suchen, das besonders ist." Tom grinste. Wenn die Eiche nicht besonders war, was dann?
Sie gingen mit ihren kleinen Büchern in den Garten. Tom berührte vorsichtig die Rinde des Baumes. Warm. Glatt. Und dann – ein leichtes Vibrieren. Er zog die Hand erschrocken zurück. „Habt ihr das gespürt?" Jan nickte langsam. „Ich glaube… ich glaube, der Baum will uns etwas sagen."
Tom presste sein Ohr an die Rinde. Und tatsächlich: ein Flüstern, so leise, dass er kaum sicher war, ob er es wirklich hörte. Ein Wispern, wie ein Luftzug unter einer Decke.
„Kommt näher", sagte Tom mit erhobenem Finger. „Da ist etwas."
Mia und Jan standen nun direkt neben ihm, als plötzlich ein dünner Goldfunken aus einer kleinen Rindenspalte schoss – nur einen kurzen Moment lang, aber hell genug, dass alle drei erschrocken zurücksprangen.
„Das ist nicht normal", hauchte Mia. „Gar nicht."
In genau diesem Augenblick begann die Erde unter der Eiche leicht zu beben.
Und Tom erkannte: Irgendetwas verbarg sich dort unten. Etwas, das auf sie wartete.