Im Wald, wo alte Bäume steh'n und Glühwürmchen spazieren geh'n, da wohnte Tamo, Dachs so klein, mit schwarz-weißem Streifen, geschniegelt fein.
Er liebte tags den Waldesduft, die Erde, Moos und Abendluft. Doch wenn die Nacht ganz langsam kam, wurde Tamo manchmal bang.
„Es ist so still", flüsterte er leis, „die Dunkelheit macht mich ganz heiß." Er kuschelte sich tief ins Laub, doch Ruhe fand er kaum, glaubt's mir.
Da klopfte es am Bau ganz sacht, ein Reh stand dort im Mondenschein. „Warum bist du noch wach, mein Freund? Die Nacht ist doch so sanft gemeint."
„Ich such ein Licht", sprach Tamo klein, „nicht hell, nur warm – zum Schlafen fein." Das Reh dachte kurz und sprach dann still: „Vielleicht weiß es der Maulwurf, wenn er will."
Der Maulwurf kam aus seinem Gang, die Erde noch an seiner Wang'. „Ein Licht?", murmelte er bedacht, „es gibt eins nur für Gute Nacht."
„Es wandert leise durch den Wald, erscheint, wenn man nicht fest dran halt'. Es zeigt dir: Du bist nicht allein, dann darf der Schlaf willkommen sein."
Tamo folgte Schritt für Schritt, der Wald ging ruhig neben ihm mit. Die Bäume flüsterten sacht im Chor, der Weg war weich, der Bau schon fern empor.
Da sah er etwas zwischen Zweigen, ein Schimmern, warm, kaum zu zeigen. Es tanzte leis von Blatt zu Blatt, als wär es nie ganz wirklich satt.
„Ist es das Licht?", fragte Tamo leis und ging ein Stück näher – ganz sacht, ganz leis. Doch plötzlich war es nicht mehr da, der Wald war dunkel, sternenklar.
Tamos Herz klopfte leis und schnell. „War ich zu laut? War ich zu hell?" Er blieb stehen, ganz allein im Wald, und fragte sich, was nun geschieht ...
Ob das Gute-Nacht-Licht wohl wiederkommt, wenn man ganz ruhig wartet und träumt?