Am Rand des Waldes, nah am Bach, wo Moos ganz weich im Dunkel lag, da lebte Fips, ein Waschbär klein, mit Ringelschwanz und Augen fein.
Er liebte Spielen bis spät hinein, im Mondlicht fröhlich wach zu sein. Doch wenn es hieß: „Nun ab ins Bett", war Fips oft noch nicht richtig nett.
„Ich bin noch wach!", rief er dann laut, „die Nacht ist viel zu schön vertraut!" Er sprang und hüpfte hin und her, doch seine Augen wurden schwer.
Da tickte etwas leis im Wald, so sanft, so ruhig, kaum ein Schalt. „Tick … tack …", ganz sacht und klein, als würd' die Zeit ganz müde sein.
Fips hielt inne, spitzte sein Ohr, „Was ist das für ein Klang da vor?" Er folgte leis dem Ton entlang, der durch die dunklen Bäume klang.
Am alten Baum, so dick und breit, saß eine Eule, grau und weit. Neben ihr hing, kaum sichtbar rund, eine Uhr – aus Nacht und Abendstund'.
„Das ist die Nachtuhr", sprach die Eule leis, „sie zeigt die Zeit auf ihre Weis. Nicht mit Zahlen, nicht mit Licht, nur mit Ruhe zeigt sie Pflicht."
„Was zeigt sie jetzt?", fragte Fips, sein Herz pochte schon etwas still. Die Eule sah ihn freundlich an: „Sie zeigt, was man jetzt lassen kann."
Fips hörte tiefer in den Klang, das Ticken wurde weich und lang. Doch plötzlich blieb die Uhr fast steh'n, kein Tick, kein Tack war mehr zu seh'n.
„Oh nein", rief Fips, „sie ist kaputt!" Die Eule lächelte, sanft und gut. „Nein, kleiner Freund, sie wartet bloß, bis du ganz ruhig wirst und loslässt – groß."
Fips setzte sich, doch dachte viel, der Kopf noch voll, das Herz noch Spiel. Die Uhr blieb still, der Wald ganz sacht, und Fips war plötzlich wieder wach …
Was muss der kleine Waschbär tun, damit die Nachtuhr weiter kann ruh'n?