Jana stand am Fenster ihres Zimmers und blickte auf die Straße vor dem Haus. Alles war still. Kein Auto fuhr vorbei, kein Schritt hallte auf dem Asphalt. Die Laternen warfen helle Kreise auf den Boden, die langsam verschwammen, je länger man sie betrachtete. Die Häuser gegenüber wirkten wie Schattenrisse, die nur darauf warteten, dass die Nacht vollständig über sie kam.
Sie lehnte sich leicht gegen den Rahmen, spürte die kühle Luft, die durch das geöffnete Fenster strich. Es roch nach Regen, auch wenn es tagsüber nicht geregnet hatte. Ein leichter, feuchter Geruch, der alles weich und etwas fremd wirken ließ. Jana zog die Decke enger um sich, als könne sie die Ruhe einfangen und für den Moment festhalten.
Die Straße war leer, aber nicht leer im Sinne von unbelebt. Sie war voller Möglichkeiten, wie eine leere Seite, die darauf wartete, beschrieben zu werden. Jana spürte, wie ihre Gedanken langsamer wurden, wie sie nicht mehr von einem Ereignis zum nächsten springen mussten. Alles war im Moment, und der Moment war genau richtig.
Die Laternen warfen Lichtkegel, die sich sanft über den Asphalt legten, und Jana bemerkte, wie die Schatten der Bordsteine und Hauswände sich leicht bewegten, als ob sie atmeten. Es war eine Bewegung, die sie beruhigte, weil sie zeigte, dass die Nacht lebendig war, aber nicht laut. Nichts drängte, nichts forderte Aufmerksamkeit.
Jana hörte ein leises Geräusch, das sie zunächst für Einbildung hielt. Ein entferntes Knarren, vielleicht ein Ast, der im Wind schwankte. Aber es war sanft, so leise, dass es eher ein Teil der Stille wurde, als dass es sie störte. Sie merkte, wie ihr Herz ruhiger schlug, wie ihre Hände sich entspannten, und ein Gefühl von Gelassenheit kam über sie.
Sie blieb am Fenster stehen, spürte die Schwere des Tages, die nun langsam abfiel. Alles, was ihr Sorgen bereitet hatte, schien kleiner zu werden, als die Stille über sie hereinbrach. Die Straße lag vor ihr, unendlich ruhig, und trotzdem fühlte sie sich nicht klein, sondern geborgen. Nur das leise Fließen der Zeit erinnerte daran, dass nichts eilig war.
Und während sie dort stand, fragte Jana sich, ob die Nacht etwas für sie bereithielt, etwas, das sie erst bemerken würde, wenn sie einfach still blieb …