wo leis der Abendhimmel thront,
da lebte Miri, Katze klein,
aus Wolkenflaum und Sternenschein.
Sie sprang von Wolke eins zu zwei, so leicht wie ein Gedanke frei. Ihr Schwanz war weich wie Zuckerwatte, ihr Schnurren klang wie Schlafmusik, ganz satte.
Doch wenn die Nacht den Himmel füllt, und alles leiser, ruhiger wird, dann war es oft, dass Miri dacht': „Warum bin ich schon wieder wach?"
Die Sterne funkelten ringsherum, der Mond war still, der Himmel stumm. Miri drehte sich hin und her, die Augen müd, der Kopf noch schwer.
Da zog ein Windhauch sanft vorbei, so weich, so kühl, ganz einerlei. „Wer bist du?", fragte Miri leis, „du klingst wie Schlaf und Nacht zugleich."
„Ich bin der Schlafwind", klang es sacht, „ich zieh durch jede Kinder-Nacht. Doch heute bin ich etwas müd, weil niemand mir den Weg heut zeigt."
„Den Weg?", fragte Miri klein, „wohin muss denn der Schlafwind sein?" „Zu allen Träumen", sprach der Wind, „zu jedem großen, kleinen Kind."
Miri nickte ohne Hast, sie wusste, dass sie helfen mag. Sie sprang hinab von Wolke drei und rief: „Ich bin gern mit dabei!"
Gemeinsam zogen sie durchs Blau, vorbei am Stern, vorbei am Tau. Sie trafen eine Eule sacht, die leise ihre Runde macht.
„Der Schlafwind sucht die Träume heut", sprach Miri klar, doch sanft erfreut. Die Eule nickte, ernst und klug: „Dann folgt dem Glanz, der sanft euch trug."
Ein Schimmer tauchte fern nun auf, wie Schlaflicht auf leisem Lauf. Doch kaum war Miri näher dran, verblasste er – so schnell er kam.
Der Wind wurde still, ganz leis und schwer. „Oh nein", sprach er, „nun find ich's nicht mehr." Miri blickte ins dunkle Blau und fragte sich nun ganz genau …
Wie findet man Träume, die man nicht sieht, und weckt den Schlaf, wenn er leise flieht?