Alex saß im Wohnzimmer, der Teppich lag still und friedlich da, als wäre er einfach nur ein Teppich. Das kleine weiße Wesen, das er Lumo nannte, ruhte in seiner Hand wie ein flauschiger Wattebausch.
Draußen hörte Alex das Brüllen des Elchs – aber diesmal klang es nicht nach Gefahr. Es klang eher wie ein Ruf, wie wenn Mama ruft: „Komm essen, Alex!"
Alex hob Lumo vorsichtig hoch. „Hast du das gehört?"
Lumo öffnete ein Auge. „Mm-hmm… das klingt nach jemandem, der Hilfe braucht."
Alex nickte. Sein Bauch fühlte wieder dieses Kitzeln, das er immer bekam, wenn ein Abenteuer wartete. Aber ein gutes Abenteuer – eins, das warm und spannend war, nicht dunkel und unheimlich.
Gemeinsam gingen sie zur Terrassentür. Der Garten leuchtete in hellem Sonnenlicht, die Blumen wackelten sanft im Wind, und Schmetterlinge flatterten umher.
Der Elch stand am Rand des Gartens. Heute wirkte er viel freundlicher, fast so, als würde er lächeln. Neben ihm stand ein zweites Tier – kleiner, rundlicher, mit einem dicken braunen Fell und Ohren wie zwei flauschige Kissen.
Es machte ein trauriges Hmmmpf.
Alex ging näher. „Hallo. Was ist denn los?"
Der Elch neigte den Kopf. Das braune Tier sah Alex mit großen, runden Augen an. Lumo zitterte leicht vor Neugier.
„Er hat etwas verloren", erklärte Lumo. „Etwas ganz Wichtiges."
Alex setzte sich ins Gras. „Was denn?"
Das kleine braune Tier öffnete das Maul – aber statt eines Lauts kam nur ein kleines, pfeifendes Krächzen.
„Er hat seine Stimme verloren", flüsterte Lumo. „Sie ist irgendwo im Wald verschwunden. Und er kann niemanden mehr rufen."
Alex' Augen wurden groß. Eine Stimme, die verloren geht? Wie ein Ball, der unter ein Sofa rollt? Oder ein Bauklotz unter die Heizung?
„Wir müssen sie finden", sagte Alex sofort.
Der Elch blinzelte zustimmend. Das braune Tier nickte heftig.
Alex stand auf.
Und genau in diesem Moment hörte er es: ein leises Lied, das aus dem Wald kam – wie ein fliegender Ton, der jemanden suchte.